2017/2018 „Heimaten"

wo dahoam [?/!)

dahoam in an dorf
dahoam in an lånd
dahoam in da mittn
dahoam auf m rånd?
dahoam wo da pfeffa wåchst
und nindacht dahoam?
wo dahoam? wo dahoam?

dahoam in an morgn
des so sein sollt wia heit?
dahoam in an klischee
va da guatn åltn zeit?
dahoam in an brauchtum
des glei da tourismus braucht?
wo dahoam? wo dahoam?

wo semma dahoam? wo semma dahoam?
wo dahoam? wo dahoam, wo dahoam, wo dahoam?

Querschläger und SN-Kolumnist Fritz Messner schrieb diesen Liedtext vor zehn Jahren – und die Frage ist aktueller denn je: Manche mögen genau wissen, wo ihre Heimat ist („Wo ich geboren und aufgewachsen bin“), doch aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche gibt es eine Vielzahl an Mitbürgern, nicht nur Flüchtlinge und Migranten, die auf der Suche nach einer Heimat oder dem, was man darunter verstehen könnte, sind …  


dahoam in da sehnsucht
nach da oafåchn welt?
dahoam in schwåchz und weiß
wo mittn drei nix mehr zählt?
dahoam in an glabn
an irgendwen oda wås?
wo dahoam ? wo dahoam?

dahoam in ach zeit
dahoam in ach welt
dahoam in fleisch und bluat
oda im internet?
dahoam in an habn oda
dahoam in an sein?
wo dahoam? wo dahoam?

wo semma dahoam? wo semma dahoam?
wo dahoam? wo dahoam, wo dahoam, wo dahoam?

 

2017
„Wenn Gott will“, der neueste Film von Gabriele Hochleitner, und „Cafe Waldluft“ reflektieren die Frage nach der Heimat aus der auch tragischen Perspektive von Flüchtlingen.

Was wäre Salzburg ohne seinen berühmtesten Sohn, ohne Wolfgang Amadeus Mozart? Auf alle Fälle ist das heutige Salzburg wirtschaftlich und atmosphärisch ohne Mozart undenkbar: Mozartkugeln, Mozartwoche, Mozarts Geburtshaus, die sommerlichen Festpiele rund um Mozart – der Liederabend an seinem Geburtstag ließe sich auch unter diesem Aspekt sehen.

Fritz Messner, von dem der programmatische Liedtext stammt, thematisiert in seinem Solo-Kabarett „Zugroast oda dahoam?“ weitere Aspekte rund um die Heimat und stellt auch die Frage: wem gehört unsere Heimat?

Salah Ammo ist gebürtiger Syrer, den der Bürgerkrieg aus seiner topografischen Heimat vertrieben hat. Musikalisch scheint es ihm jedoch gelungen sein, eine neue Heimat zu finden ... davon kann man sich am 30. März 2017 überzeugen – sein weltmusikalisches Programm nennt sich „Meine neue Heimat“

Was ist das: Heimat? Und wo fühlt man sich beheimatet? Kann man eine neue Heimat finden und die alte Heimat aufgeben oder abstreifen? Sind Muttersprache und Vaterland noch brauchbare Begriffe für die Beschreibung von Heimat? Ist Heimat der Ort, wo man geboren wurde? Oder ist Heimat mehr eine Stimmung, ein Gefühl? Wo beginnt die Heimat, wo endet sie? Gibt es ein Zuhause ohne Heimat? Ist Heimat ident mit daheim? Lässt sich eine Heimat erobern? Ist sie für uns Menschen Voraussetzung für ein zufriedenes Leben? Und wie viel Heimat braucht der Mensch? 

Oder ist Heimat Erinnerung, Vision, ein Klischee, eine Kon­struk­tion?

Wo Mannesmut und Frauentreu' 
Die Heimat sich erstritt aufs neu' 
Wo man mit Blut die Grenze schrieb 
Und frei in Not und Tod verblieb; 
Hell jubelnd klingt's zur Bergeswand: 
Das ist mein herrlich Heimatland.

Die unbedingte Pflicht des Bürgers, die wunderbare Heimat zu lieben und ihr treu zu dienen: in den Landeshymnen besteht kein Zweifel, was Heimat ist. In diesem ausgewählten Fall ist es die 4. Strophe der Kärntner Landeshymne, die 1928 von Maria Millonig verfasst wurde. Ist das eine Auffassung von Heimat, die für uns, im 21. Jahrhundert, noch relevant ist?

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und deren Einfluss auf Österreich zwingt einige Jahre später zum Beispiel Sigmund Freud und Stefan Zweig dazu, ihr Heimatland Österreich, ihre Heimatstädt Wien und Salzburg, zu verlassen. Freud stirbt kurz nach der erzwungenen Emigration in London, Zweig nimmt sich 1942 in Brasilien das Leben. Eine Heimat konnte er trotz der freundlichen Aufnahme und Wertschätzung, die man ihm entgegenbrachte, nicht mehr finden. Der Film „Vor der Morgenröte“ zeigt, dass es für Stefan Zweig nicht mehr möglich war, zur Ruhe zu kommen: Heimat ist mehr als „ein Flecken umgrenzter Erde“. 

Zwei weitere Filme werfen auf unsere Heimat einen besonderen Blick. In „Tagaus, tagein“ steht Thresl, die 100-jährige Großmutter des Regisseurs im Mittelpunkt. Ihre Heimat ist die Arbeit und ihr Harhamerhof. In „Holz Erde Fleisch“ geht es um die Frage der Weitergabe des heimatlichen Bauernhofes. Beide Filme ergänzen mit ihrem dokumentarischen Bezug zur Heimat die Ausstellung „Heimatkunde“ auf sehr direkte, aber auch sehr persönliche Weise. 

Dass Heimat ein Ort ist, scheint unbestreitbar. Aber es braucht gewisse Voraussetzungen oder Gegebenheiten, damit dieser Ort, den man Heimat nennt, seine heimatliche Ausstrahlung nicht verliert.        Heinz Kaiser