2018 „Heimaten"

wo dahoam [?/!)

dahoam in an dorf
dahoam in an lånd
dahoam in da mittn
dahoam auf m rånd?
dahoam wo da pfeffa wåchst
und nindacht dahoam?
wo dahoam? wo dahoam?

dahoam in an morgn
des so sein sollt wia heit?
dahoam in an klischee
va da guatn åltn zeit?
dahoam in an brauchtum
des glei da tourismus braucht?
wo dahoam? wo dahoam?

wo semma dahoam? wo semma dahoam?
wo dahoam? wo dahoam, wo dahoam, wo dahoam?

Querschläger und SN-Kolumnist Fritz Messner schrieb diesen Liedtext vor zehn Jahren – und die Frage ist aktueller denn je: Manche mögen genau wissen, wo ihre Heimat ist („Wo ich geboren und aufgewachsen bin“), doch aufgrund der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche gibt es eine Vielzahl an Mitbürgern, nicht nur Flüchtlinge und Migranten, die auf der Suche nach einer Heimat oder dem, was man darunter verstehen könnte, sind …  

„What the Hell is my Hoamatland?” ist der Titel der Wandmalerei im Hofstall des Schlosses von Stephen Mathewson, die uns durch das 2018er-Jahr begleiten wird. Wir haben den bildenden Künstler Stephen Mathewson (1962 in den USA geboren und seit rund 25 Jahren in Österreich lebend) eingeladen, seine Antwort auf die Frage nach seinen Heimaten zu formulieren. Seine Arbeits- und Artikulationsfläche: die Wände des Hofstalls. Der Titel seiner mehrteiligen Wandmalerei „What the Hell is my Hoamatland?“ persifiliert auch seine Zweisprachigkeit.Stephen ist mit Eishockey aufgewachsen. Sein Vater war Eishockey-Trainer, er selbst spielt immer noch mit großer Begeisterung in einer Hobbymannschaft. Heimatliche Gefühle sind für ihn ohne Eishockey nicht denkbar, daher hat Stephen die roten und blauen Markierungen des Eishockeyfeldes an die Wand „geklappt“. „Cut to the chase!“ – „Komm auf den Punkt!“ – steht groß an der Wand und steht für die Schwierigkeit, diesem komplexen Thema Heimat bzw. Heimaten gerecht zu werden. An einer anderen Wand eine Kaffeetasse mit der Aufschrift „Home is where the heart is“, gegenüber eine Glückskeksfabrik. Im Eingangsbereich zwei Männer im Gespräch miteinander. Einer der beiden sagt „Ja“. Glück und Heimat: synonyme Begriffe?Wie jede gute künstlerische Arbeit soll auch „What the Hell ist my Hoamatland?“ anregen, neue Assoziationsräume zu eröffnen. Es liegt am Betrachter, sich über seinen Heimatbegriff klarer zu werden. Klare thematische Bezugnahmen stellt das Theater-Solo von Barbara Gassner „Die andere Hälfte des Himmels“ her. Es beschäftigt sich definitiv mit der Heimat, wenn die Biografie des 1917 geborenen Großvaters zum eigenen Aufwachsen in den 80erJahren und dem aufkommenden Tourismus in Verbindung gesetzt wird. Und auch die drei Kinofilme dieses Quartals, „Die beste aller Welten“, „Mali Blues“ und „Weit“, lassen sich als Beitrag zum Jahresthema sehen.Eng mit der Frage nach der Heimat verbunden sind Identität, Vertreibung und Migration, Geborgenheit und Glück, Aufbrechen und Heimkommen: mögliche Leitvokabel für diese drei „neuen Heimatfilme“.   Heinz Kaiser