PERCUSSION-TRIO

oenm . österreichisches ensemble für neue musik:
„Living Room Music“

Beginn:

Freitag, 01.04.2016 | 20:00

PERCUSSION-TRIO

Die drei Schlagwerker Arabella Hirner, Michael Mitter­lehner und Rupert Struber, Mitglieder des österreichischen ensembles für neue musik, bilden für diesen außergewöhnlichen Abend ein Percussion-Trio. Ein Abend, an dem nicht die Virtuosität im Mittelpunkt steht, sondern die Vielfalt hörbarer Ereignisse, zu deren Produktion auch alltägliche Gegen­stände verwendet werden. Nicht umsonst ist eine Komposition von John Cage, dem Altmeister der Avantgarde, titelgebend für diesen Abend.

Das in Salz­burg beheimatete œnm tritt in unterschiedlichen Besetzungen auf und ist auf die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts spezialisiert. 1975 gegründet, konnte es sich international zu einem der führenden Ensembles dieser Art etablieren: über 300 Urauf­führungen seit der Gründung und regelmäßige Mitwirkung bei großen Festivals sprechen für sich. Zur Zeit engagieren sich im œnm rund 30 Musiker (u.a. Querschläger Fritz Kronthaler, Marcus Pouget und Horst Hofer). 


Wenn der Titel für einen musikalischen Abend von John Cage (19912-1992) stammt, macht es Sinn, an die Radikalität und Experimentierfreude dieses unumstritten richtungsweisenden Komponisten des 20. Jahrhunderts zu erinnern. 
Cage, der bei Arnold Schönberg in Los Angeles Komposition studiert hatte, war zeitlebens daran interessiert, neue Klänge und Töne zu finden. Bekannt wurde er mit seinen Werken für „präpariertes Klavier“: unterschiedlichste Gegenständen des Alltags (Radiergummi, Nägel, Ketten, Papier oder Äste) auf den Saiten bzw. zwischen die Saiten des Klaviers geklemmt verändern und manipulieren den Klang dieses Instruments, das wie kein anderes von Künstlern im wahrsten Sinn des Wortes attackiert wurde. In den Happenings und Performances der 50er- und 60er-Jahre wurde es mitunter auf der Bühne zerstört: Klavierzertrümmerung als Klangerzeugung eines erweiterten Musikbegriffs, aber auch als Angriff auf die gutbürgerliche Gesellschaft und ihre Wertevorstellung. John Cage war in unterschiedlichen künstlerischen Feldern immer Avantgardist, also Vorreiter, jedoch nie aggressiv. Seine Attacken waren subtiler.   
Die Entfaltung rhythmischer Strukturen stand für Cage am Beginn seiner kompositorischen Tätigkeit im Mittelpunkt und auch das „präparierte Klavier“ hatte er erdacht, um das Schlagwerkinstrumentarium zu erweitern.

Neben dieser unbefangenen Lust am Klang-Experiment war für ihn die Pause – und damit die (vermeintliche) Stille – grundlegendes Gestaltungsmittel. Legendär ist die Aufführung von silent piece (1952) für Klavier, für das sich der Titel 4’’33’ etablierte. Anfang und Ende des 4-minütigen Stücks signalisiert der Pianist dem Publikum durch Öffnen und Schließen des Klavierdeckels. Der Pianist spielt aber nicht einen Ton! Das Publikum hört jene Töne, Klänge und Geräusche, die absichtslos entstehen oder von der Umgebung produziert werden. 
Cage selbst bezeichnete 4’’33’ als „mein bestes Stück, zumindest das, was ich am liebsten mag … Ich wollte mein Werk von meinen Neigungen und Abneigungen befreien, da ich der Meinung bin, dass Musik nicht von den Gefühlen und Gedanken des Komponisten abhängen darf. … Ich hatte Freunde, deren Freundschaft ich wegen dieses Stückes verlor.“


Es ist zu erwarten, dass das Perkussion-Trio an diesem Abend mit dem bezeichnenden Titel „Living Room Music“ (Wohnzimmermusik) verblüffende Klänge, Alltagsgeräusche und nie gehörte Töne produzieren wird. Wir hoffen jedoch, dass das Publikum seine Freude an Fremdem, Ungewohntem und Unerwartetem hat und sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlt. Denn dies war nie im Sinne von John Cage, der sinngemäß behauptete, er fürchte sich nicht vor dem Neuen, sondern vor dem Bekannten.   HK

 


Das Programm des Abends 

Karl-Heinz STOCKHAUSEN (1928 – 2007)
Tierkreis – 12 Melodien der Sternzeichen (1974-75) daraus: Wassermann

Fredereic RZEWSKI (*1938)
To The Earth (1985)

John CAGE (1912 – 1992)
Living Room Music (1940)

Morton FELDMAN (1926 – 1987)
The King Of Denmark (1964)

Karl-Heinz STOCKHAUSEN Tierkreis: Zwilling

Thierry DE MEY (*1956)
Musique de tables (1987)

Michael MITTERLEHNER-ROMM (*1969)
Manchmal... (2016) Uraufführung

Karl-Heinz STOCKHAUSEN Tierkreis: Schütze

Steve REICH (*1936)
Clapping Music (1972)

Nebojša Jovan ŽIVKOVIC (*1962)
Trio per uno op. 27 (1995/99): 1. Satz

Genre:

Kultur

Eintritt:

 14
12 (Mitglieder, Ö1)
7 (Jugend unter 18)