AUSSTELLUNGSPROJEKT

MARKUS SCHERER „Fuder“

Beginn:

Freitag, 30.09.2016 | 19:00

Ende:

bis Sonntag, 23.10.2016 | 18:00

AUSSTELLUNGSPROJEKT

Foto: Sabine Gruber

Ein Ausstellungsprojekt, das rund um das Schloss Goldegg seinen Ausgang nahm und im Ausstellungs­raum des Schlosses, im Hofstall, sein Ende findet

Anfang Juni, als das Wetter für mehrere Tage sommerlich und stabil zu sein versprach, konnte der Künstler Markus Scherer (*1963, aufgewachsen im Goldegger Nachbarort St. Veit) mit der konkreten Umsetzung seines Projektes „Fuder“ beginnen – und er griff zur Sense. Auf den öffentlichen Grünflächen rund um das Schloss war mittlerweile das Gras kniehoch gewachsen. Ein Anblick, den man nicht mehr so selbstverständlich gewöhnt ist. 

Eine zentrale Fragestellung seines Projektes „Fuder“ ist unser heutiger Umgang mit öffentlichen Grünflächen und deren Pflege: darf eine Wiese noch Wiese sein oder ist es allgemeiner Konsens, Grünflächen als Rasenflächen zu sehen und sie „zurecht zu stutzen“, bevor sie zu jenem Lebensraum werden, den man als „Blumenwiese“ bezeichnet? Simpel gesagt: erscheint eine Wiese unordentlich, ein Rasen ordentlich?

Diese Fragestellung berührt die kulturhistorische Entwicklung, die der Umgang mit bzw. die Bearbeitung von landwirtschaftlichen Flächen in den letzten zwei Jahrhunderten durchlaufen hat, gekoppelt an den Einsatz von technischen Gerätschaften. Der mitteleuropäische Rasen ist letztendlich ein künstliches Produkt, das wir dem Rasenmäher verdanken, der um 1830 in England erfunden wurde. Ästhetisch interessant ist: Welches Bild ergibt sich, wenn auf Rasenmäher, Trimmer oder Laubbläser verzichtet wird? Wie sehr haben wir uns an den Lärm dieser technischen Geräte schon gewöhnt? Erscheint das Schloss in einem anderen Ambiente? Ist es ein Fortschritt, ist es erstrebenswert, dass wie in „alten“ Zeiten, Schmetterlinge, Bienen und andere Kleinlebewesen sich ihren ehemals natürlichen Lebensraum zurückerobern können? 

Zur, auch von Helfern unterstützten, handwerklich-körperlichen Arbeit (mähen, wenden, heuen, einbringen) war es Markus Scherer wichtig, die neu entdeckte pflanzliche Vielfalt mit der Kamera zu dokumentieren und exakt bestimmen zu lassen. 

Der Hofstall als Ausstellungsraum bietet die Möglichkeit, einerseits diese Vielfalt zu präsentieren, andererseits setzt „Fuder“ auch auf Partizipation und Anteilnahme. Das Heu wartet nun im Hofstall darauf, abgeholt und als Futter verwendet zu werden. Sie sind eingeladen, sich eine „Fuder“ zu holen, um das getrocknete Gras seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen und den gedanklichen Kreis zu schließen: öffentliche Flächen wurden gemäht, deren Ertrag wird wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 
Heinz Kaiser

Begriffsklärung: Fuder leitet sich von Fuhre oder Fahrt ab und ist ein altes, nicht mehr gebräuchliches Raummaß. Ein Fuder war die „Fuhre" (Ladung), die ein zweispänniger Wagen laden konnte. 


Eröffnung: Freitag, 30. September 2016, 19 Uhr
Begrüßung: LR Heinrich Schellhorn
zum Projekt: Hemma Schmutz (Kunstraum Lakeside, Klagenfurt)

„Fuder“ – bis 23. Oktober (Fr, Sa, So 15 bis 18 Uhr)


In Zusammenarbeit mit SALZBURG 2016

Genre:

Kultur

Eintritt:

Freier Eintritt