KINO

"Vor der Morgenröte"
Maria Schrader; D/Ö/F, 2016, 104 min

Beginn:

Samstag, 22.04.2017 | 20:00

KINO

Stefan Zweig war zu seiner Zeit ein Starautor und gemeinsam mit Thomas Mann der meistübersetzte deutschsprachige Schriftsteller. Im Februar 1934 wird die Lage für ihn bitter­ernst: Als jüdischer Schriftsteller muss er die Verfolgung der Nazis fürchten und beschließt, seine Heimat Österreich zu verlassen, nachdem vier Polizisten sein Haus in Salzburg durchsuchen. Zweig erkennt den Anfang einer größeren, gefährlichen Entwicklung und flüchtet nach London. 

„Vor der Morgenröte“ zeigt in sechs Episoden Zweigs ersten Aufenthalt in Brasilien, seine Teilnahme am PEN-Kongress in Buenos Aires 1936, den New York-Besuch, das Verhältnis zu seiner ersten Frau Friderike und seinen Freitod 1942 in Petrópolis in Brasilien. (Dort schrieb Zweig sein wohl berühmtestes Werk Die Schachnovelle.) Trotz sicherer Zuflucht, gastfreundlicher Aufnahme und überwältigender tropischer Natur konnte er keinen Frieden finden, Brasilien konnte ihm die Heimat nicht ersetzen.

Der Filmtitel „Vor der Morgenröte“ nimmt auf die letzten Zeilen seines Abschiedsbriefes Bezug, in dem es heißt: „Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.“

Schauspieler und Kabarettist Josef Hader als Stefan Zweig liefert eine feine, nuancierte Darstellung der Zerrissenheit und Sensibilität des großen Schriftstellers. An seiner Seite die grandiose Charakterdarstellerin Barbara Sukowa. Der deutschen Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader gelingt eine scharfsinnige Reflexion über Nationalismus und die Rolle des Intellektuellen in der Gesellschaft. Ein bildgewaltiger historischer Film über einen großen Künstler und dabei ein Film über die Zeit, in der Europa auf der Flucht war.

Genre:

Kultur

Eintritt:

7
6 (Mitglieder, Ö1)
5 (Jugend unter 18)