BUCHPRÄSENTATION

„Ein Stück Wiese … und ein Fuder Heu“

Beginn:

Freitag, 18.08.2017 | 20:00

BUCHPRÄSENTATION

Es ist sehr erfreulich, dass das Ausstellungsprojekt „Fuder“ von Markus Scherer, das im Juni 2016 seinen Anfang nahm und vier Monate später im Hofstall sein eindrucksvolles Ende fand, in einem Buch dokumentiert wird.

Eine Zusatzförderung von Salzburg 20.16 machte es möglich, in Kooperation mit dem Müry Salzmann Verlag das Buch „Ein Stück Wiese … und ein Fuder Heu“ auf die Welt zu bringen. Es dokumentiert „Fuder“ in all seinen Phasen und führt die Attraktivität der Pflanzenvielfalt einer Blumenwiese vor Augen. 

Drei Autoren haben für dieses Buch einen Text verfasst: Hemma Schmutz (Leiterin der Linzer Museen Nordico und Lentos) stellt einen kunsthistorischen Kontext her, Thomas Macho (Direktor des Internationalen Forschungs­zentrums Kulturwissenschaften in Wien) beleuchtet das Projekt aus kulturhistorischer Sicht und Peter Pilsl (Haus der Natur, Salzburg) fasst die rund 50 Blumen und Pflanzen gattungsspezifisch zusammen. 


Markus Scherer waren die Ausstellungsräumlichkeiten im Schloss, der Hofstall, bekannt – jene Räume, in denen in den vergangenen Jahrhunderten die Pferde untergebracht waren. Er selbst, in einem bäuerlichen Umfeld groß geworden, kennt die ästhetischen Qualitäten von Stall und Heu aus eigener Erfahrung. Die Einladung des Kulturvereins zu einer Aus­stellung bot ihm die Möglichkeit, an diese persönlichen Erfahrungen anzuknüpfen. „Der Hofstall gefüllt mit Heu“ – das war seine Bildidee und der Impulsgeber für das letztendlich sehr komplexe und arbeitsaufwendige Ausstellungsprojekt, das er mit dem Mähen der Grünflächen rund ums Schloss im Juni 2016 startete … 

Markus Scherer ist Konzeptkünstler. Das bedeutet, dass Idee, Prozess und Fragestellungen, ausgehend von der Idee und dem Prozess, in allen Richtungen so wichtig sind wie das formal angestrebte Ergebnis – in diesem Fall der mit Heu gefüllte Hofstall. 

Fuder, Titel des Projektes, ein altes, nicht mehr gebräuchliches Raummaß, leitet sich von Fuhre oder Fahrt ab und war die „Fuhre“ (Ladung), die ein zweispänniger Wagen laden konnte.

Auf kleinen Flecken rund um das Haus, am Rand von Bächen oder Steilgeländen, wo schweres Gerät nicht hinkommt, darf das Gras noch wachsen und blühen. Die weiten Felder und öffentlichen Grünflächen sind hingegen eintönig geworden: gestutzt, gezüchtet, gedüngt.

Aus einem Stück Wiese ist im malerischen Goldegg im Pongau das Kunststück „Fuder“ geworden. Erst durfte das Gras kniehoch wachsen und alle in ihm enthaltene Vielfalt hervorbringen; dann wurde es gemäht, gewendet und später als Heu in einen Kunstraum eingebracht – und siehe da, die Menschen reagierten berührt, fühlten sich an ihre Kindheit erinnert und an den Duft des Heus.

Der Künstler Markus Scherer hat die Natur „inszeniert“, ein Fuder Heu in einen Kunstraum eingebracht, um deutlich zu machen: Wir haben mit der Natur gebrochen, das getrimmte, scheinbar optimierte Leben tötet etwas um uns und in uns. Um die Umkehrung geht es: wachsen und werden zu lassen, was aus gutem Grund kommt ...

Redensartlich ist eine gemähte Wiese ein klarer Fall, eine ausgemachte Sache. Dieses Buch zeigt, welches Potenzial just ein Stück ungemähte Wiese birgt!

Genre:

Kultur

Eintritt:

 frei!