KINO

"Happy End"
Michael Haneke; D/F/A 2017, 107 min

Beginn:

Sonntag, 24.06.2018 | 20:00

KINO

Große, wahrscheinlich die besten Schauspieler, die das Cineasten-Land Frankreich zu bieten hat, sind die Prota­go­nisten in diesem Drama von Michael Haneke: Jean-Louis Trintignant und Isabelle Huppert zeigen die menschlichen Ab­gründe – Hanekes aktueller Film dreht sich um eine Groß­bürgerfamilie am Rande des Vulkans. Herausragend ist, neben den Stars, Fantine Harduin als 12-jährige Ève.

Worum geht’s? Die wohlhabende französische Familie Laurent, die in Calais eine Baufirma betreibt, steht vor mehreren Problemen: Erstens ist der verwitwete Patriarch Georges (Jean-Louis Trintignant) schwerst suizidal. Zweitens hat die resolute Juniorchefin Anne (Isabelle Huppert) ihren Sohn Pierre zum Managing Director gemacht, doch der ist nicht kompetent genug für seine Aufgabe. Drittens wird bei einem Erdeinsturz auf einer Großbaustelle ein Bauarbeiter getötet – und mit schuld ist womöglich Sohn Pierre.
Zu guter Letzt zieht – nach einem Selbstmord­versuch ihrer Mutter – die Tochter von Thomas aus erster Ehe, die 12-jährige Ève, in den Landsitz der Laurents ein und sorgt für Unruhe im kunstvoll verkrampften Alltag. Ève fühlt sich in ihrer neuen Umgebung mit Vater Thomas und dessen neuer Frau Anaïs samt Kleinkind einsam und fremd. Dann unternimmt Georges, der verbitterte alte Vater von Anne und Thomas, einen Selbstmordversuch ...

Was wird in „Happy End“ geboten? Familiengeheimnisse, moralische Ver­wer­fun­gen, Grausamkeit, Feigheit, Obsession – und mit unterschwelliger und bitterböser Sozialkritik wird nicht gespart.

Die Filmkritiken könnten nicht unterschiedlicher und widersprüchlicher sein. „Vor fünf Jahren drehte Michael Haneke mit 'Liebe' einen so großartigen wie originellen Film zum Thema Sterbehilfe. Sein neues Werk 'Happy End' gibt sich als Fortsetzung, ist aber ein müder Abklatsch. … Hier ist ein anerkannter Regisseur auf dem besten Weg, sich selbst zu demontieren.“ (WELT, Tilman Krause, 13.10.2017)
„Auch wenn sich der Film zu keinen neuen Erkenntnissen aufrafft, finden sich Szenen, in denen die Figuren aus ihrem Korsett ausbrechen und etwas überraschend Persönliches preisgeben. Pierre, der sich in einer fulminanten Karaokeszene zu akrobatischem Breakdance steigert und damit eine Ahnung seiner Ver­zweif­lung gibt. Oder der alte Georges, der in seiner Enkelin eine Vertraute erkennt und ihr eine Wahrheit über den Schock des Realen anvertraut, die sie längst kennt.“ (der Standard, Dominik Kamalzadeh, 5.10.2017)
„Der große Realist Michael Haneke bereitet eine finstere Familiengeschichte in bewährter Formen­strenge auf. Aber diesmal etwas anders: mit neuer, irritierender Heiterkeit.“ (Profil, Stefan Grissemann, 3.10.2017)
„Warum ist Europa unglücklich? Michael Haneke gibt mit seiner schwarzen Komödie 'Happy End' eine großartige Antwort.
… Alles ist sehr ernst und oft auch sehr komisch.“ (Thomas Assheuer, Zeit online, 12. Oktober 2017)

Es hilft wohl nichts: Bilden Sie sich selbst ein Urteil!

Genre:

Kultur

Eintritt:

7
6 (Mitglieder, Ö1)
5 (Jugend unter 18)