Konrad Balder Schäuffelen "Der Narrenhut"

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Beginn:

Freitag, 14.07.2006 | 20:00

Konrad Balder Schäuffelen "Der Narrenhut"

In Konrad Balder Schäuffelens Ausstellung steht der Rittersaal im Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung. Er entwickelte für Ausstellungsräume eine Installation, die von dem im Rittersaal freskierten Hofnarren ihren Ausgang nimmt und viele Motive der Wandbemalung und Vertäfelung aufnimmt und "weiterdenkt".

Die Gründungszeit von Schloss Goldegg geht ins 13. Jahrhundert zurück. Aus der Gründungszeit der damaligen Burg stammt der hohe Wohntrakt ("Palas"). Beim Umbau der Burg in ein bewohnbares Schloss entstand im 16. Jahrhundert der sogenannte Rittersaal. So sehr auch der Besucher überrascht und angetan sein mag von der reizvollen Lage des Schlosses und seiner wuchtigen und gleichzeitig stolzen "Erscheinung" - diese Überraschung erfährt beim Eintreten in den Rittersaal eine Steigerung. Der in Österreich einmalige Saal ("Den Sal hat Herr Christof Graf machen und malen lassen anno 1536") besticht durch sein einheitlich erhaltenes Gesamtbild. Eine prunkvolle Vertäfelung der Nordwand, die Freskierung der anderen drei Saalwände sowie die Holzdecke bestimmen den Raumeindruck des Rittersaals.

Schäuffelen hat in vielen Publikationen und Ausstellungen die Beziehung von Bild und Sprache thematisiert. Er befasste sich in diesem Zusammenhang auch mit den im 16. Jahrhundert aufkommenden Emblemen und Sinnbildern, in denen ein Bild (Pictura) mit einem kurzen Text (Lemma) verschränkt ist und entwarf selbst gegenwartsbezogene Embleme. Er ist daher prädestiniert, die Darstellungen des Rittersaales, in dessen Bildprogramm heraldische und emblematische Motive eine wichtige Rolle spielen, mit den Mitteln des Künstlers zu paraphrasieren. Hauptmotiv seiner Installation in Goldegg mit dem Titel "Der Narrenhut" wird die in eine Fensterlaibung gemalte Gestalt sein, die von alters her als "Hofnarr" aufgefasst wird. Weiters wird er in Endlosprojektionen ausgewählte Rittersaal-Details (Tiere, mythologische Figuren, Ornamente) mit poetischen Ergänzungen kombinieren.

Heinz Kaiser
 

Zur Eröffnung der Ausstellung spielt Michael Diepolder (Querflöte) im Rittersaal Musik des 17. und 21. Jahrhunderts.

Konrad Balder Schäuffelen: geboren 1929  in Ulm, lebt in München.
Studium der Philosophie und Medizin in Dillingen, Mainz, Tübingen, Paris, München und Frankfurt. Studium an der Akademie der Bildenden  Künste in München. 1957/1958 Reise in den Orient. Längere Rom- und Pragaufenthalte.
Dr. med., Nervenfacharzt. 1966 - 1970 am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in  München. Danach Psychotherapeut und Psychoanalytiker.
Seit Mitte der 50er Jahre literarische Tätigkeit, Veröffentlichungen experimenteller, konkreter und visueller Poesie, Übersetzungen, besonders aus dem Tschechischen. Seit Anfang der 60er Jahre "Sprachobjekte", audiovisuelle Installationen, Buchobjekte und Objektbücher, photographische und emblematische Arbeiten, Objekte und Skulpturen.
Zahlreiche Einzelausstellungen im In- und Ausland, Teilnahme an der documenta 6 (Kassel 1977) und der Biennale di Venezia 1969 und 1986. Dozentur an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg.
 

Dienstag, 1. August, 20 Uhr
Peter Weiermair (Bologna) spricht zur Ausstellung.

Dienstag, 15. August, 20 Uhr
Vortrag von  Silke Geppert (Goldegg) "Narren, Könige und Götter - Gewand und Nacktheit im Goldegger Rittersaal"
 

Die Ausstellung "Der Narrenhut" ist bis 15. August (Fr, Sa, So und Feiertag 15 - 18 Uhr) geöffnet.

Genre:

Kultur