AFRIKA<br>"GÈLÈDÈ - Tanz der Masken"

Seit mehr als einem Jahrhundert findet in der Region Togo/ Benin/Nigeria in Westafrika das grenzüberschreitende Gelede Tanzritual statt.

Beginn:

Donnerstag, 19.10.2006 | 19:00

AFRIKA<br>"GÈLÈDÈ - Tanz der Masken"

Jährlich treffen mehrere tausend Mitglieder der Yoruba Volksgruppe aus entfernten Siedlungsgebieten zusammen, um wichtige gemeinschaftliche Ereignisse wie das Einbringen der Ernte zu feiern oder Bedrohungen durch Dürre oder Krankheit zu bannen.

Im Ritual selbst, an dem verkleidete Tänzerinnen und Tänzer mit aufwändig gestalteten Masken teilnehmen, werden Geschichte, Mythen und soziale Rollen der Yoruba Gesellschaft visualisiert und so von einer Generation zur nächsten weiter gegeben.

Die gesellschaftliche Stellung und Funktion der Yoruba-Frauen spielt im Gelede Ritual eine besondere Rolle. Der Legende nach wird in diesem Ritual der Ur-Mutter der Yoruba und den weiblichen Ahnen gehuldigt. Erinnert wird an eine Zeit, als die matriarchalische Gesellschaftsordnung durch das Patriarchat ersetzt wurde. Es soll allen Yorubas in Erinnerung rufen, dass der Einfluss der Frauen im gesellschaftlichen Leben nach wie vor gültig ist und dass die Prosperität der gesamten Gemeinschaft vom Wohlwollen dieser – auch als gefährlich wahrgenommenen – weiblichen Ahnen abhängt.

Als einziger Maskentanz Afrikas, in dem Frauen eine zentrale Rolle zukommt, bietet das Gelede Ritual aufschlussreiche Einblicke in das Geschlechterverhältnis einer westafrikanischen Gesellschaft. Durch das Design der Masken und das Verhalten der Tänzerinnen und Tänzer erfährt man Einblicke in erwünschte bzw. unerwünschte Rollenbilder. Das Zusammen- und Widerspiel männlicher und weiblicher Masken ist ein Spiegelbild der als ideal empfundenen Beziehung der Geschlechter.

 

Der Yoruba-Priester und Choreograf Koffi Kôkô, der zu den renommiertesten Tänzern Afrikas zählt, hat zusammen mit einem Ensemble aus Benin das Gelede Ritual für einen Bühnenauftritt vor europäischem Publikum arrangiert. In Kooperation mit dem Wiener Museumsquartier, der UNESCO und dem VIDC/kulturen in bewegung wird dieses Weltkulturerbe aus Westafrika erstmals in Österreich zu sehen sein.

 

Immaterielles Kulturerbe

Die Ausübung und Weitergabe kultureller Praktiken steht in einer Gesellschaft grundsätzlich in einem komplexen Spannungsverhältnis von Tradition und Erneuerung, von kultureller Vielfalt und „nationaler“ Identität. Die UNESCO-Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes legt Rahmenbedingungen fest, die Staaten, aber auch Gruppen in einer zunehmend globalisierten Welt die Möglichkeit geben, ihre kulturellen Traditionen durch relevante kulturpolitische Maßnahmen zu erhalten. Das Gelede Ritual gehört zum von der UNESCO definierten Immateriellen Kulturerbe.

 

 

Genre:

Kultur